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Abitur wie Einstein und Schröder

Der Zweite Bildungsweg als Chance

„Zurückblickend war die Entscheidung, das Abitur am Abendgymnasium nachzuholen, eine der besten Entscheidungen, die wir bisher getroffen haben… Heute Abend können wir stolz auf uns sein.“ Alexandra S. steht auf der Bühne des Bürgersaals in Littenweiler und hält die Abiturrede des Abiturjahrgangs 2017.
Kurz zuvor haben sie und 19 weitere Abiturientinnen und Abiturienten ihre Zeugnisse entgegengenommen. Herbert Babinsky, der Schulleiter des Abendgymnasiums der Volkshochschule, ist zufrieden. Die Durchschnittsnote 2,2 kann sich sehen lassen. Sogar dieTraumnote 1.0 war einmal vertreten.
Alexandra S. hat an diesem Abend gemischte Gefühle. Vier anstrengende Jahre liegen hinter ihr. In den ersten drei Jahren hat sie in Vollzeit als Rechtsanwaltsfachangestellte gearbeitet. Erst im letzten Jahr bezog sie Bafög und hatte nur noch einen Minijob. Es war für die 26-jährige nicht immer einfach, Schule, Beruf und Privatleben „unter einen Hut zu kriegen“. Dennoch ist sie heute sogar ein wenig traurig, weil sie während ihrer Zeit am Abendgymnasium auch „wirklich viel Spaß“ hatte. Sie lobt das Engagement der Lehrer, die die Schüler immer motiviert und unterstützt haben. Sie hatten Verständnis, „wenn man nach einem langen Arbeitstag mal müde war oder noch schnell während des Unterrichts etwas essen musste.“
Als Van Somphon N. sich eine Ruck gab und sich beim Abendgymnasium anmeldete, lag sein Schulbesuch schon 13 Jahre zurück. Er arbeitete als Personalsachbearbeiter, wollte sich aber „alle Türen offen halten“. Er findet, das Abitur ist „das goldene Ticket für alles Mögliche“. Die Schulgebühren von 325 Euro pro Schuljahr seien nicht der Rede wert, wenn man bedenkt, wie viel und was man jeden Abend in der Schule lernen kann und am Ende in Form eines Abiturzeugnisses bekommt.“
Van Somphon N. arbeitete während des Besuchs des Abendgymnasiums weiter in seinem Beruf. Obwohl die Zeit knapp war, machte er zum Ausgleich mehrmals in der Woche Sport. Nun kann er seine freien Abende genießen. Sein Fazit: „Durch das vierjährige Abendgymnasium habe ich gelernt, dass es definitiv nie zu spät ist, sich weiter zu bilden.“

Anne-Sophie O. hat ihr Abitur schon 2016 abgelegt. Sie konnte das Abendgymnasium innerhalb von drei Jahren absolvieren, da sie Vorkenntnisse in einer zweiten Fremdsprache mitbrachte. Die gelernte Erzieherin studiert inzwischen im zweiten Semester Sonderschullehramt in Heidelberg. Sie sagt, „das AG hat mich kognitiv gut auf das vorbereitet, was nun von mir verlangt wird.“ Und „es sind nur 10 Semester Regelstudienzeit. Das Abendgymnasium ging ja auch in null Komma nix vorbei!“

Albert Einstein und Gerhard Schröder haben aus unterschiedlichen Gründen den Zweiten Bildungsweg gewählt. Was aus ihnen geworden ist, ist bekannt. Auch die frischgebackenen Abiturientinnen und Abiturienten des Abendgymnasiums werden ihren Weg machen. Alexandra S. hat vor, Medien- und Kommunikationsmanagement zu studieren, Van Somphon N. erwägt ein Duales Studium. Er zitiert den Schriftsteller und Verleger Emil Oesch: „Zum Erfolg gibt es keinen Lift. Man muss die Treppe benutzen.“