Samstags-Uni: Demokratie - Grundlagen und Herausforderungen

 

Gemeinsame Veranstalter: Studium generale der Universität Freiburg, Colloquium politicum der Universität Freiburg und Volkshochschule Freiburg in Verbindung mit der Katholischen Akademie der Erzdiözese Freiburg


 

Die Samstags-Uni findet regelmäßig samstags zwischen 11.15 Uhr und 12.45 Uhr im HS 1010 (Kollegiengebäude I der Universität) im Zentrum Freiburgs statt.

Alle Vorträge der Reihe können kostenlos und ohne vorherige Anmeldung besucht werden. Die Vorträge werden in der Regel auch aufgezeichnet. Das genaue Programm der Reihe finden Sie ab April auf den Internetseiten von Studium generale und Volkshochschule, im Programmheft des Studium generale und in den in der VHS und im Studium generale ausliegenden Faltblättern.

Die Vorträge werden außerdem aufgezeichnet und zeitversetzt über das Medienportal des Studium generale zugänglich gemacht, oder über die Mediathek des Studium generale auf dem Medienportal der Universität.

Mit freundlicher Unterstützung der Volksbank Freiburg und der Badischen Zeitung

 

Thema im aktuellen Frühjahr/ Sommersemester 2024:

Demokratie - Grundlagen und Herausforderungen

Von den Wahlen zum Europäischen Parlament am 9. Juni über drei ostdeutsche Landtagswahlen (Sachsen, Thüringen, Brandenburg) im September bis zu den US-Präsidentschaftswahlen am 5. November: Das Jahr 2024 ist ein ‚Superwahljahr‘, und wenn – wie es heißt – Wahlen die Festtage der Demokratie sind, dann sollten wir anno 24 viel Grund zum Feiern haben. Aber wird es auch tatsächlich so kommen? Und was heißt das überhaupt: Demokratie? Welches sind die historischen Wurzeln und normativen Prinzipien, die prozeduralen Spielregeln und sozialen Gelingensbedingungen der Demokratie, welchen politischen und verfassungsmäßigen Rang genießt sie in unserer staatlichen Ordnung und in den Formen unseres Zusammenlebens? Und welchen aktuellen Herausforderungen und Gefährdungen sieht sich die parlamentarische, liberale und repräsentative Demokratie angesichts zahlreicher autoritärer, illiberaler oder ‚populistischer‘ Anfechtungen gegenüber?

In ihrer nunmehr 33. Staffel wird sich die Samstags-Uni des Sommersemesters 2024 – diesmal in gemeinsamer Veranstalterschaft von Studium generale, Colloquium politicum und Freiburger Volkshochschule – diesen ebenso grundsätzlichen wie bedrängenden Fragen in einer großen tour d’horizon widmen. Dabei kommen (wie immer in der Samstags-Uni mit ihrem breiten Themen-, Methoden- und Fächerspektrum) namhafte Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Disziplinen zu Wort: von der Alten Geschichte bis zur Zeitgeschichte und von der Philosophie und politischen Ideengeschichte über Soziologie und Politikwissenschaft bis hin zum Staats- und Verfassungsrecht und zu den Wirtschaftswissenschaften. Wie stets versteht die Samstags-Uni sich dabei auch selbst als ein demokratisches und aufklärerisches Forum, indem sie im Anschluss an jeden Vortrag dem Publikum die Gelegenheit bietet, sich in offenem Meinungsaustausch und im kultivierten Streit der Argumente mit den Thesen der Referentinnen und Referenten auseinanderzusetzen. Der demokratische Diskurs – wir wollen ihn pflegen!

 


Erster Vortrag am 20.4.

Aufbrüche und Umbrüche.
Demokratie im langen 19. Jahrhundert

(Prof. Dr. Jörn Leonhard, Historisches Seminar, Universität Freiburg)

Über den Zeitpunkt, wann eine Demokratiegeschichte einzusetzen hat, lässt sich streiten – nicht aber über die Tatsache, dass mit der globalen Revolutionsepoche seit dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts in Nordamerika und Europa politische und soziale Umbrüche verknüpft waren, welche die Geschichte der Demokratie tiefgreifend prägten.

Der Vortrag beleuchtet vor diesem Hintergrund Krisenerfahrungen, Konfliktkonstellationen und Entwicklungsschwellen in der Geschichte von Demokratie und Demokratisierung im langen 19. Jahrhundert. Sie reichen von der „Sattelzeit“ der Revolutionen und Konterrevolutionen seit den 1770er Jahren, den „Kettenrevolutionen“ von 1830 und 1848/49 über die Bildung neuer Nationalstaaten im Zeichen erweiterter politischer und sozialer Teilhabe und die Auseinandersetzungen über das Ausmaß der Demokratisierung um 1900 bis zum Ersten Weltkrieg. Er endete nach 1918 unter dem Eindruck millionenfacher Opfer in vielen Gesellschaften im formalen Durchbruch zur Massendemokratie, die aber bereits nach wenigen Jahren vielerorts unter Druck geriet. Um 1930 schien zumindest das Ordnungsmodell der parlamentarisch-repräsentativen Demokratie angesichts der ideologischen Gegenentwürfe der Sowjetunion und der unterschiedlichen Varianten des Faschismus in eine Existenzkrise geraten, die viele Zeitgenossen an einer Zukunft der Demokratie zweifeln ließ. Der Vortrag stellt daher in einem Ausblick die Frage, welche längerfristigen Entwicklungsmuster des langen 19. Jahrhunderts wir kennen sollten, um die globalen Krisen der Demokratie in den 1920er und 1930er Jahren angemessen zu erklären. Damit kommen aus historischer Perspektive auch Krisenfaktoren oder Stabilisierungsmomente in den Blick, die uns Orientierung in der Demokratiekrise der Gegenwart vermitteln könnten.

 


 

Weitere Vorträge in der Reihe:

  • 27.04.     Die normativen Grundlagen der neuzeitlichen Demokratie, Prof. Dr. Rainer Forst, Direktor des Forschungszentrums Normative Ordnungen, Universität Frankfurt
  • 04.05.     Tyrannei der Mehrheit oder der Minderheit? Die amerikanische Demokratie seit der Verfassungsgebung, Prof. Dr. Manfred Berg, Historisches Seminar, Universität Heidelberg
  • 11.05.     Antike Ursprünge der Demokratie? Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke, Seminar für Alte Geschichte, Universität Freiburg
  • 18.05.     Demokratie und Grundgesetz, Prof. Dr. Andreas Voßkuhle, Institut für Staatswissenschaft und Rechtsphilosophie, Universität Freiburg
  • 08.06.     Europa vor der Wahl: Demokratiegeschichtliche Perspektiven auf die (Geschichte der) EU, Prof. Dr. Kiran Klaus Patel (LMU München)
  • 15.06.     Kapitalismus und Demokratie, Ulrike Herrmann, taz Berlin
  • 22.06.     "Triggerpunkte": Die stille Mitte der Demokratie, Prof. Dr. Steffen Mau, Institut für Sozialwissenschaften, Makrosoziologie, HU Berlin

 

Vollständige Übersicht aller Vorträge

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